"Gesunder Familienbetrieb - Bauernhof"

Bäuerinnen und Bauern haben hohe gesundheitliche Belastungen zu bewältigen: Große Verantwortung, Zeitmangel und Termindruck, viele Arbeitsspitzen und lange Arbeitszeiten gepaart mit wenig Freizeit und hohen Auflagen zählen zu den häufigsten Belastungen im psychosozialen Bereich.  Darüber hinaus ist die Bauernschaft in Österreich eine jener Berufsgruppen mit dem höchsten Anteil an adipösen und übergewichtigen Personen und demzufolge einem hohen Risiko für damit assoziierte Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Arteriosklerose, Krebserkrankungen sowie Gelenks- und Rückenbeschwerden. Neben dem Leidensdruck der Betroffenen führt dies auch zu ökonomischen Auswirkungen. Betrachtet man sozioökonomische Gesundheitsdeterminanten, so zeigt sich auch hier eine Benachteiligung im Hinblick auf Gesundheitschancen für die bäuerliche Bevölkerung.

In land- und forstwirtschaftlichen Betrieben wurden Betriebliche Gesundheitsförderungsmaßnahmen (BGF) bislang noch nicht (flächendeckend) angeboten. In den Jahren 2013-2016 wurde in der Steiermark das Pilotprojekt „Sicher und Gesund am Bauernhof“ durchgeführt und die Implementierbarkeit von BGF im Setting Bauernhof erprobt. Auf Basis dieser Erfahrungswerte wird im gegenständlichen Projekt ein nachhaltiges Modell zur Implementierung von BGF am Bauernhof in die Strukturen der Sozialversicherungsanstalt der Bauern entwickelt.

In den Pilotregionen Steiermark und Vorarlberg werden bis zu 18 bäuerliche Betriebe akquiriert und im Rahmen eines zweijährigen Projektablaufes von ProzessbegleiterInnen der SVB betreut. Der BGF-Prozess erfolgt partizipativ in Anlehnung an das Melker Modell für Klein- und Kleinstbetriebe. Für die Akquise und Umsetzung in der Region wird mit Stakeholdern aus der Landwirtschaft (Landwirtschaftskammer, ARGE Bäuerinnen, Landjugend, Maschinenring u.a.) und mit regionalen Strukturen und Anbietern von gesundheitsförderlichen Leistungen (Gesunde Gemeinde, Sportvereine etc.) zusammengearbeitet sowie Impulse zur Integration der Bäuerinnen und Bauern in bestehende Netzwerke sowie zum Aufbau allenfalls fehlender Netzwerke gesetzt.