Age friendly region

2010 hat die Weltgesundheitsorganisation die Initiative Age-friendly World gegründet. Vision ist
die Umgestaltung aller Städte und Regionen zu einem großartigen (!) Lebensraum,
um alt zu werden. Das mit einer Laufzeit von 3 Jahren konzipierte und
im Programm Interreg Österreich-Ungarn 2014-2020 eingereichte Projekt „Age friendly region“ soll dazu beitragen, die Grenzregion
Ungarn – Österreich dieser Vision näher zu bringen.

Alter und Pflege stellen eine wachsende Herausforderung
für unsere Gesellschaften dar. Bisherige Bewältigungsformen wie ein verstärktes
Engagement von Angehörigen oder ein stärkerer Ausbau von Pflegeheimen sind kaum
mehr zur Verbesserung der Situation älterer pflegebedürftiger Menschen
geeignet.Das Projekt „Age friendly region“ wird deshalb Ansätze entwickeln,
damit alle Menschen der Region (und ihre Angehörigen) auch im Alter in hoher
Lebensqualität und größtmöglicher Autonomie in ihrer gewohnten Umgebung
verbleiben können. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit drei Organisationen in Ungarn ermöglicht es,
Wissen und Erfahrungen beider Länder zu nutzen und darauf aufbauend ein
gemeinsames Modell zu erarbeiten. 6 Case-ManagerInnen (3 pro Partnerland) werden
im Rahmen eines Pilotprojektes über 200 Personen mit neuen methodischen Ansätzen
dabei unterstützen, individuelle Gesundheitsvorsorge- und Versorgungskonzepte
zu erstellen, die optimal auf die jeweiligen Lebens- und Wohnsituationen abgestimmt
sind und durch die vorhandene Ressourcen bestmöglich genutzt werden. Der gemeinsame wissenschaftliche Partner wird die Erfahrungen und Wirkungen
dieser neuen Dienstleistungen nach wissenschaftlichen Standards auswerten und
die Möglichkeit eröffnen, von den Unterschiedlichkeiten beider Länder
systematisch zu lernen.
Die Gesundheitsstrategien beider Länder streben seit längerem eine bessere
Unterstützung älterer Menschen bei der Organisation von Alltag und Betreuung /  Pflege zu Hause und eine bessere regionale
Abstimmung der diesbezüglichen Dienstleistungen an. Das Projekt „Age friendly
region“ wird ein wichtiger Schritt der Region in diese Richtung sein und
erstmals eine bilaterale Zusammenarbeit zwischen AT und HU in diesem Bereich
etablieren.Ziele & Zielgruppen:

Ziel des Projektes
ist es, durch (mobiles) Case Management die Lebensqualität von älteren Menschen
und deren betreuenden / pflegenden Angehörigen in der stark ländlichen
österreichisch-ungarischen Grenzregion zu verbessern. Durch umfassende,
unabhängige Unterstützung und Begleitung für (pflegebedürftige) ältere Menschen
und deren Angehörige soll ein, den individuellen Möglichkeiten angemessenes,
Leben zu Hause mit hoher Qualität ermöglicht werden.

Lebensqualität wird
hierbei nicht primär über medizinische Versorgung erwirkt, sondern stark über
soziale Aspekte, weshalb die in diesem Projekt angewendete Case Management
Methode nicht nur auf medizinische Bedarfe, sondern auch stark auf den sozialen
Aspekt fokusiert. Als Grundlage dafür dient das in den
Niederlanden durchgeführte und wissenschaftlich evaluierte Projekt „Embrace, a model for integrated elderly
care“:[1] Personen
ab dem Alter von 75 Jahren wurden mittels eines Fragebogens um eine
Selbsteinschätzung ihres Gesundheitszustandes und Unterstützungsbedarfs
gebeten. Aufgrund dieser Einschätzungsergebnisse wurden drei Zielgruppen mit
unterschiedlichem Betreuungsbedarf (gesund, gebrechlich, pflegebedürftig)
definiert und unter Einbeziehung der Betroffenen entsprechende individualisierte Maßnahmen geplant und
umgesetzt. Durch die individualisierten, auch sozialen Unterstützungsangebote
konnte die Lebensqualität der Betroffenen und die der pflegenden Angehörigen
deutlich verbessert werden.Neben
den Hauptzielgruppen der älteren Menschen und ihrer pflegenden Angehörigen
richtet sich das Projekt „Age friendly
region“ durch verschiedene Aktivitäten, wie z.B. Konferenzen und
Medienkampagnen, auch an die breite Öffentlichkeit, um auch unter jüngeren
Menschen das Bewusstsein für und die Auseinandersetzung mit dem Thema „Altern“
zu forcieren. Zusätzlich erfolgt eine regelmäßige Rückkoppelung mit
verschiedenen AkteurInnen aus diesem Themenfeld, wie NGOs und andere
Dienstleistungsorganisationen, aber auch mit lokalen, regionalen und nationalen
PolitikerInnen und EntscheidungsträgerInnen.

Arbeitspakete:

Das
Projekt besteht aus den drei großen Arbeitspaketen Projektmanagement,
Kommunikation / Öffentlichkeitsarbeit und Implementierung. Auf das
letztgenannte, im Antrag als AP3 bis AP5 gelistet, wird hier kurz näher
eingegangen:

AP 3:

Inhalt
dieses Arbeitspaketes ist es, ein gemeinsames partnerübergreifendes und
grenzüberschreitendes Verständnis der Projektziele zu entwickeln und die dazu
erforderlichen Kompetenzen aufzubauen. Dazu werden Standards für Case und Care
Management und Lebensqualität im Alter als Basis für eine wissenschaftliche
Evaluation definiert, die Ausgangssituation analysiert und die MitarbeiterInnen
für das Pilotprojekt qualifiziert. Gleichzeitig wird durch Konferenzen,
Workshops und Studienreisen dafür gesorgt, dass das in Europa vorhandene
Know-how bestmöglich in das Projekt integriert wird.

Der
wissenschaftliche Partner SMZ koordiniert die Entwicklung der Standards, die
Planung der Evaluation und die Durchführung der Analyse. Die anderen Partner
sind für die Organisation von Training und Wissenstransfer verantwortlich.
Damit werden die Grundlagen für
eine erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung von regionalem Case und Care
Management in AP 2 gelegt.

AP 4:

Ziel dieses Arbeitspakets ist es, mithilfe der in
Arbeitspaket 1 erarbeiteten Kapazitäten ein gemeinsames Modell für Case und
Care Management für ländliche Regionen und deren städtische Zentren zu
entwickeln, die erforderlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung zu schaffen
und das Modell schließlich in fünf Pilotregionen zu testen. Der Leadpartner ist
für die Umsetzung von Case und Care Management in zwei steirischen
Pilotregionen verantwortlich, die drei ungarischen Partner sind für die
Pilotumsetzung von Case und Care Management in ihrem jeweiligen Komitat
verantwortlich. Das sozialmedizinische Zentrum wird das Pilotprojekt auf beiden
Seiten der Grenze wissenschaftlich begleiten und mit operativer Unterstützung
des Partners in Györ Daten zum Niveau der Lebensqualität der unterstützten
älteren Personen sowohl zu Beginn als auch am Ende des Pilotprojektes als Basis
für die Evaluation in Arbeitspaket 3 erheben.

AP 5:

In der
Projektbeschreibung wurde bereits dargelegt, dass Case und Care Management in
den Regionen dringend benötigt wird und in den nationalen Gesundheitsstrategien
auch entsprechend vorgesehen ist. Ziel von Arbeitspaket 3 ist es, die
Erfahrungen und Ergebnisse der Pilotumsetzungen wissenschaftlich auszuwerten
und daraus Vorschläge für eine realisierbare, finanzierbare und nachhaltige
Umsetzung in den Regionen abzuleiten. Das sozialmedizinische Zentrum ist in
Zusammenarbeit mit dem Institut für Gesundheit und Soziales in Györ für die
Evaluation des Pilotmodells verantwortlich. Der Leadpartner und die 3
ungarischen Partner werden diese Ergebnisse an die nationalen
Entscheidungsträger weitertragen, um mit diesen Möglichkeiten zur Weiterführung
des Projektes zu erarbeiten. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die
ausgebildeten und praxiserprobten regionalen Case Manager auch nach dem Projekt
weiter für das Wohl der älteren Menschen in der Region tätig sein werden.

Projektpartner:
Chance B - Sozialbetriebs-GmbH: Leadpartner & operativer Partner
Verein für praktische Sozialmedizin (SMZ Liebenau): wissenschaftliche Begleitung
Egyesített Egészségügyi és Szociális Intézmény Győr: operativer Partner
Pálos Károly Szociális Szolgáltató Központ és Gyermekjóléti szolgáIat: operativer Partner
Zalaegerszegi Gondozási Központ: operativer Partner

[1]
Embrace, a model for integrated elderly care: study protocol of a randomized
controlled trial on the effectiveness regarding patient outcomes, service use, costs, and
quality of  care. https://www.springermedizin.de/content/pdfId/9440584/10.1186/1471-2318-13-62

Projektnummer

2807

Projektkategorie

Internationale Projekte

Organisationsname

Chance B - Sozialbetriebs-GmbH
Franz-Josef-Straße 3, 8200 Gleisdorf
http://www.chanceb.at

Kontakt

Mag. Marion Bock
03112/4911
03112 4911-8399
office@chanceb.at

Projektstart

Projektende

Projektstatus

laufend