Qualitätsstandards für die Unterstützung der Erziehung

In Österreich werden rund 36.000 Kinder und Jugendliche im Rahmen von fast 40.000 Hilfen der sog. Unterstützung der Erziehung betreut. „Unterstützung der Erziehung“ (UdE) wird Kindern und Jugendlichen bei Vorliegen einer Kindeswohlgefährdung und in der Erwartung gewährt, „dass die Gefährdung bei Verbleib in der Familie oder im sonstigen bisherigen Wohnumfeld abgewendet werden kann“ (Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetzes 2013). Wesentliche Zielrichtung der UdE ist es daher, dass Kindeswohlgefährdungen abgewendet bzw. verhindert werden, indem die Voraussetzungen und Ressourcen für die Sicherstellung und Förderung einer altersgerechten Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in der Familie bzw. der bisherigen Lebenswelt der betreuten Heranwachsenden gestärkt werden. Nicht zuletzt dient die UdE der Vermeidung einer Fremdunterbringung von Kindern und Jugendlichen. Die Hilfen können entweder freiwillig im Rahmen einer Vereinbarung zwischen Erziehungsberechtigten und der zuständigen KJH-Behörde des Bezirks bzw. Magistrats in Anspruch genommen werden oder gegen den Willen der Erziehungsberechtigten veranlasst werden. Die Unterstützung erfolgt insbesondere durch aufsuchende Hilfen für Kinder, Jugendliche und deren Familien und Begleitungen von Eltern-Kind-Kontakten und -Beziehungen durch qualifizierte Fachkräfte, aber auch im Rahmen von sozialpädagogischen Angeboten für die Heranwachsenden. Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass sich die UdE schon aufgrund ihrer breiten Zielsetzung (die für den Einzelfall im Rahmen der Hilfeplanung konkretisiert wird) durch eine große Bandbreite an Unterstützungsformen auszeichnet. Der föderalistische Charakter der österreichischen Kinder- und Jugendhilfe verstärkt diese Heterogenität: Schon die Ausführungsgesetze der Länder unterscheiden sich in Hinblick auf die Detailliertheit, in der spezifische Hilfeformen im Rahmen der UdE ausdifferenziert werden. Darüber hinaus bestehen in den Ländern unterschiedliche Bezeichnungen und Eingrenzungen der Hilfeformen. Gemeinsam ist allen Bundesländern jedoch, dass überall aufsuchende Formen von mobiler Familienunterstützung zur Stärkung der elterlichen Erziehungs- und Fürsorgekompetenzen, zur Abwendung von familiärer Überforderung und Förderung einer entwicklungsgerechten Alltagsstruktur für die betreuen Heranwachsenden angeboten werden.

Wie vormals für die Volle Erziehung im Rahmen sozialpädagogischer Einrichtungen liegen jedoch bislang auch für die familienunterstützenden Hilfen im Rahmen der UdE keine einheitlichen Qualitätsstandards vor. Unterschiedliche Ländergesetzgebungen und -verordnungen bedingen wiederum Unterschiede in der Definition von Qualität im Prozess der Betreuung von Familien und haben dazu geführt, dass die Anforderungen an private Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe in unterschiedlichen Bundesländern mitunter beträchtlich divergieren. 

 

Vor diesem Hintergrund ist es Ziel von FICE Austria im Rahmen eines kooperativen Entwicklungsprozesses mit unterschiedlichen Trägern Qualitätsstandards auch für diese Hilfeform der Kinder- und Jugendhilfe zu entwickeln. Wir gehen dabei von dem Standpunkt aus, dass allen gefährdeten Kindern und Jugendlichen, die im Rahmen der UdE betreut werden, das Recht auf die höchstmögliche und vergleichbare Betreuungsqualität zusteht - unabhängig davon, in welchem Bundesland sie leben. Die Entwicklung von Qualitätsstandards für diesen Handlungsbereich der Kinder- und Jugendhilfe ist daher mit dem Ziel verbunden, eine entwicklungs- und gesundheitsförderliche sowie bedarfsorientierte familienzentrierte Betreuung von Kindern und Jugendlichen auf Basis der in der UN-Kinderrechtskonvention festgelegten Rechte von Kindern und Jugendlichen und der gegebenen gesetzlichen Rahmenbedingungen und Richtlinien abzusichern. 

Die kooperative Entwicklung von Qualitätsstandards für Prozesse der Betreuung von Kindern und Jugendlichen und deren Familien im Rahmen der UdE soll im Jänner 2021 beginnen. Ähnlich wie bei der Entwicklung der Qualitätsstandards für die stationäre Kinder- und Jugendhilfe soll der Entwicklungsprozess auf einem konsensorientierten Verfahren basieren und wiederum in einem Qualitätszirkel und einem Soundingboard erfolgen. Während im Qualitätszirkel Fachexpert*innen die Qualitätsstandards entwickeln, ist es Aufgabe des Soundingboards, Rückmeldungen zu den (Zwischen-)Ergebnissen zu geben und sich schlussendlich auf die Ergebnisse zu einigen.

FICE Austria kann hierbei auf die Erfahrungen der Entwicklung von Qualitätsstandards für die stationäre Kinder- und Jugendhilfe zurückgreifen, die nicht nur in Hinblick auf das partizipativ erzielte Ergebnis ein Erfolg sind. Auch finden sie bei den unterschiedlichen Stakeholdern breite Anerkennung. Auf Basis dieser Erfahrungen haben bereits mehr als 10 Organisationen Interesse an einer Mitarbeit an dem geplanten Projekt geäußert. 

Projektziel

Ziel des Projektes ist die Entwicklung von Qualitätsstandards für Hilfen im Rahmen der UdE. Das Ergebnis des Projekts stellt ein detailliertes, inhaltlich dicht gefasstes Handbuch dar. Den zentralen Nutzen sehen wir zuallererst für Kinder und Jugendliche, die im Rahmen dieser Hilfen betreut werden und denen eine adäquate, transparente und vergleichbaren Betreuung zusteht. Sozialpädagogische Einrichtungen bzw. Trägerorganisationen soll damit eine fachlich fundierte Orientierungs- und Entscheidungshilfe für die Gestaltung zentraler Abläufe und Betreuungsprozesse und für die Implementation organisationsinterner Qualitätsmanagementsysteme an die Hand gegeben werden. Zuweisende Kinder- und Jugendhilfeträger wiederum können auf einheitliche und transparente Kriterien für Prozesse der Hilfeplanung sowie die Feststellung der Eignung und Kontrolle von freien Trägern zurückgreifen.

Kooperationspartner

Zur Vorbereitung des Projekts wurden bereits eine Vielzahl von Gesprächen freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe, die in der mobilen Arbeit mit Familien tätig sind, geführt. Ziel dieser vorbereitenden Maßnahmen war und ist es, potenzielle Projektteilnehmer*innen frühzeitig einzubinden. 

Es haben sich folgende private Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen bereit erklärt, an der Entwicklung der Standards mitzuwirken:

Oberösterreich:

·       Soziale Initiative (Martin Hofer; martin.hofer@soziale-initiative.at)

·       Lebensraum Heidlmair GmbH (Heidlmair Peter; peter@heidlmair.at)

Steiermark

·       Jugend am Werk (Walter Perl; walter.perl@jaw.or.at)

·       Diakonie de Latour (Mathias Liebenwein; matthias.liebenwein@diakonie-delatour.at)

Kärnten 

·       Diakonie de Latour (Mathias Liebenwein; matthias.liebenwein@diakonie-delatour.at)

Wien

·       Caritas (angefragt)

·       SOS Kinderdorf (Erwin Rossmann; erwin.rossman@sos-kinderdorf.at)

·       Prosoz (angefragt)

Salzburg

·       Rettet das Kind (Markus Manzinger; (markus.manzinger@rettet-das-kind-sbg.at)

·       Verein Spektrum '(Thomas Schuster; thschuster@spektrum.at)

·       Koko (angefragt)

Tirol

·       Pro Juventute (Andrea Scharinger; andrea.scharinger@projuventute.at) 

Projektnummer

3223

Projektkategorie

Praxisorientiertes Projekt

Organisationsname

FICE - Austria
Hauptstraße 15, 7341 Markt St. Martin
http://www.fice.at

Contact

Bettina Terp
06649674046

office@fice.at

Projektstart

Projektende

Projektstatus

laufend