GeCo - Gesundheitskompetenz und Corona

Die Covid-19-Pandemie, die die ganze Welt erfasst hat, hat gravierenden Einfluss auf die Lebensbedingungen und die Gesundheit der Menschen. In den Gesundheitszentren FEM, FEM Süd und MEN zeigten sich die Auswirkungen dieser Gesundheitskrise in den täglichen Anfragen.

Die Herausforderungen an die eigene Gesundheitskompetenz haben in dieser Zeit deutlich zugenommen. Frauen und Männer, die aufgrund von Sprachbarrieren oder anderer Hürden, nicht in der Lage waren oder sich nicht zutrauten, Kontakt zu ÄrztInnen via Telefon oder Mail aufzunehmen, waren vom Kontakt zum Gesundheitssystem abgeschnitten – hier war es häufige Aufgabe der Gesundheitszentren, „BrückenbauerInnen“ zu sein.

Zudem war die Bevölkerung mit einer Vielzahl von mehr oder weniger evidenzbasierten Gesundheitsinformationen zur Pandemie durch (soziale) Medien konfrontiert, deren Einschätzung ein hohes Maß an kritischer „Health Literacy“ erfordert.

Die Gesundheitszentren setzten an diesem Punkt mit dem raschen Identifizieren, Verarbeiten und zur Verfügungstellen von besonders niederschwelligen, mehrsprachigen, fundierten Informationen zu Covid-19 an – beispielsweise in Form von Infoblättern in leichter Sprache oder etwa Videos auf Youtube sowie im Rahmen von ersten Onlineseminaren zum Thema Gesundheitskompetenz.

Weiters wurde eine „Infohotline“ in mehreren Erstsprachen, für unterschiedliche Zielgruppen eingerichtet. ExpertInnen informierten und berieten insbesondere zu Beginn des „Lock down“ zu verschiedensten Fragestellungen Covid-19 betreffend und daraus resultierenden Ängsten und Einschränkungen. Die BeraterInnen entlasteten in akuten persönlichen, sozialen und psychischen Krisensituationen, suchten flexible Lösungen, organisierten Unterstützungsleistungen in unterschiedlichen Problemlagen oder boten einfach ein „offenes Ohr“.

Zu den häufigsten Beobachtungen gehörte neben einem Anstieg sozialer Isolation und Einsamkeit auch das Zunehmen verschiedener „krankheitswertiger psychischer Erkrankungen“ im Rahmen der Pandemie, auch eine Verschlechterung der Symptomatik, die schon vor Beginn der Krise bestanden hatte – vor allem bei Angsterkrankungen und Depressionen sowie posttraumatische Belastungsstörungen – war häufige Folge der Beschränkungen. Festgestellt wurde auch, dass es vielfach als schwierig erlebt wird, welches „Gesundheits-Verhalten“ in der Pandemie adäquat ist. Dieses schwankt mitunter zwischen „Leichtsinn“ und „hoher Ängstlichkeit“.

Somit besteht großer Handlungsbedarf dahingehend, dass Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz, gerade in Zeiten einer derartigen Pandemie, ins Leben gerufen werden. Auch die Frage der bevorstehenden Impfung stellt eine schwierige gesundheitskompetente Entscheidung dar.

Neben den Erfahrungswerten aus der Praxis bestätigen dies auch erste Studien, die zu dieser Thematik durchgeführt wurden. Verwiesen sei dazu auf die Lancet Publikation von Paakari und Okan (4/2020): COVID-19: health literacy is an underestimated problem.

Mit dem vorliegenden Projektvorschlag soll diesem Bedarf Rechnung getragen werden.

Mit diesem Projekt möchte das Institut für Frauen- und Männergesundheit FEM Süd, FEM und MEN folgende niederschwellige Maßnahmen zur Förderung der Gesundheitskompetenz von Jugendlichen und (jungen) Erwachsenen setzen:
1. Online und WhatsApp-Gesundheitskompetenz-Workshops
2. Mehrsprachige Informations- und Aufklärungsvideos
3. Schulungen für MultiplikatorInnen

Eine kultur- gender- und spachsensible Herangehensweise soll gewährleisten, dass Menschen mit und ohne Migrationshintergrund erreicht werden. Im Weiteren werden die drei Maßnahmen genauer beschrieben.

01. Dezember 2020 – 31. Dezember 2021