Qualitätskriterien zu Grundprinzipien der Gesundheitsförderung

Veröffentlicht am 25.01.2018
Inhaltsverzeichnis

Positiver, umfassender und dynamischer Gesundheitsbegriff

Kriterium

Das Projekt basiert auf einem positiven, umfassenden und dynamischen Gesundheitsbegriff.

Indikatoren

  • Gesundheit wird im Rahmen des Projekts als umfassendes körperliches, geistig-seelisches und soziales Wohlbefinden berücksichtigt.
  • Gesundheit wird im Rahmen des Projekts als dynamischer Prozess und als ein immer wieder herzustellendes Gleichgewicht verstanden, nicht als Zustand.
  • Das Projekt ist am Konzept der Salutogenese orientiert. 

Gesundheitliche Chancengerechtigkeit

Kriterien

Im gesamten Projektverlauf wird auf die Förderung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit geachtet. Dabei sollen folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Bildung, Einkommen, berufliche Position, soziale Herkunft
  • Migrationshintergrund, Wohnregion
  • Lebensalter, Gender, Familienstand

Die Maßnahmen sind für sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen leicht zugänglich (niederschwellig).

Indikatoren

  • Es liegt eine Frage- bzw. Problemstellung vor, die die gesundheitliche Chancengerechtigkeit explizit und systematisch behandelt.
  • Das Setting ist geeignet, gesundheitlich benachteiligte Menschen zu erreichen.
  • Die Wahl der Zielgruppe/n des Projekts ist auf die Förderung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit ausgerichtet.
  • Die Zielsetzungen des Projekts streben die Förderung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit explizit an.
  • Bei der Planung und Umsetzung der Aktivitäten und Methoden werden Aspekte gesundheitlicher Chancengerechtigkeit berücksichtigt.

Ressourcenorientierung 

Kriterien

Das Projekt berücksichtigt bestehende

  • strukturelle Ressourcen für Gesundheitsförderung, wie Einrichtungen, Institutionen und Vereine, Strategien und Programme, Leitbilder, Finanzierungsquellen, Qualifikationen
  • soziale Ressourcen, wie Netzwerke, soziale Bindungen
  • persönliche Ressourcen, wie Gesundheitskompetenz, Engagement und Erfahrung

Indikatoren

  • Die strukturellen Ressourcen (wie Einrichtungen, Institutionen und Vereine, Strategien und Programme, Leitbilder, Finanzierungsquellen, Qualifikationen), sozialen Ressourcen (wie Netzwerke, soziale Bindungen) und personellen Ressourcen (wie Gesundheitskompetenz, Engagement, Erfahrung) des Settings werden beschrieben oder im Zuge des Projekts erhoben.
  • Bei der Planung und Umsetzung der Aktivitäten und Methoden werden die strukturellen Ressourcen der Zielgruppe/n und des Settings berücksichtigt.
  • Es ist dargestellt, wie die im Setting vorhandenen strukturellen, sozialen und persönlichen Ressourcen nach Projektende zur Sicherung der Nachhaltigkeit der Aktivitäten genutzt werden.

Empowerment

Kriterium

Das Projekt zielt auf die Stärkung sozialer und persönlicher Ressourcen (Empowerment) ab.

Indikatoren

  • Das Projekt zielt auf die Stärkung sozialer und persönlicher Ressourcen ab.
  • Die Aktivitäten und Methoden sind auf die Stärkung von sozialen und persönlichen Ressourcen ausgerichtet.
  • Es ist dargestellt, wie die im Setting vorhandenen sozialen und persönlichen Ressourcen nach Projektende zur Sicherung der Nachhaltigkeit der Aktivitäten genutzt werden.

Setting- und Determinantenorientierung

Kriterien

Das Projekt zielt auf die nachhaltige gesundheitsfördernde Veränderung von Strukturen und Prozessen im Setting ab. (siehe dazu auch Kriterien zur Nachhaltigkeit der Veränderungen)

Die Projektziele sind auf die Veränderung einer oder mehrerer Gesundheitsdeterminante/n ausgerichtet.

Die Aktivitäten und Methoden sind auf die Veränderung der im Projektziel festgelegten Gesundheitsdeterminanten ausgerichtet.

Indikatoren Settingorientierung

  • Das Projekt ist auf die nachhaltige gesundheitsfördernde Veränderung von Strukturen und Prozessen im Setting ausgerichtet.
  • Das Setting, in dem das Projekt stattfindet, ist klar definiert und beschrieben.
  • Das Setting ist geeignet, gesundheitlich benachteiligte Menschen zu erreichen.
  • Das Setting ist geeignet, die definierte/n Zielgruppe/n zu erreichen.

Indikatoren Determinantenorientierung

  • In der Frage- und Problemstellung ist beschrieben und begründet, welche Gesundheitsdeterminanten im Projekt berücksichtigt werden.
  • Die Projektziele sind auf die Veränderung einer oder mehrerer Gesundheitsdeterminante/n ausgerichtet.
  • Die Aktivitäten und Methoden sind auf die Veränderung der im Projektziel festgelegten Gesundheitsdeterminanten ausgerichtet.

Zielgruppenorientierung

Kriterien

Das Projekt richtet sich an ausgewählte und zur Zielerreichung relevante Zielgruppen.

Die Zielgruppe/n ist/sind klar definiert und beschrieben.

Indikatoren

  • Die Auswahl der Zielgruppe/n ist schlüssig begründet.
  • Die Ressourcen, Werte, Interessen und Bedarfe der Zielgruppe/n sind beschrieben oder werden im Zuge des Projekts erhoben.
  • Es ist klar beschrieben, wie die Zielgruppe/n erreicht werden soll/en und mit welchen Schwierigkeiten dabei zu rechnen ist. Im Projektkonzept sind die Möglichkeiten der Partizipation der Zielgruppe/n dargestellt.
  • Die Aktivitäten und Methoden sind an die Ressourcen, Werte, Interessen und Bedarfe der Zielgruppe/n angepasst.
  • Weitere Anspruchsgruppen (Stakeholder) sind angeführt.
  • Ergebnisse und Erfahrungen des Projekts werden für die Zielgruppe/n und andere Akteur/innen adäquat und verständlich (in Kommunikationsstil und Medien) aufbereitet und nutzbar gemacht.

Partizipation der Akteure/Akteurinnen des Settings

Kriterium

Im Projektkonzept ist dargestellt, wie und auf welche Weise die Zielgruppe/n, Entscheidungsträger/innen und andere Akteur/innen des Settings in den verschiedenen Projektphasen beteiligt werden (Partizipation).

Indikatoren

  • Es sind für die Zielgruppe/n und weitere Anspruchsgruppen (Stakeholder) Möglichkeiten vorgesehen, sich in Entscheidungsprozesse einzubringen (Themen, Meinungen, Bedarfe).
  • Es sind für die Zielgruppe/n und weitere Anspruchsgruppen (Stakeholder) Möglichkeiten vorgesehen, wesentliche Projektschritte mitzuentscheiden.
  • Es sind für die Zielgruppe/n und weitere Anspruchsgruppen (Stakeholder) Möglichkeiten vorgesehen, sich aktiv an der Projektplanung und -umsetzung zu beteiligen.

Vernetzung

Kriterium

Das Projekt kooperiert mit relevanten Partnern/Partner/innen.

Indikatoren

Nachhaltigkeit der Veränderungen

Kriterien

Im Projektkonzept ist vorgesehen, dass die Aktivitäten, Strukturveränderungen und Wirkungen auch nach Projektende fortbestehen (statische Nachhaltigkeit).

Im Projektkonzept sind Maßnahmen vorgesehen, die eine Anpassung der Aktivitäten an sich ändernde Rahmenbedingungen ermöglichen, ohne den Gesundheitsförderungs-Fokus zu verlieren (dynamische Nachhaltigkeit).

Es gibt konkrete Überlegungen, wie andere Zielgruppen oder Settings die Aktivitäten dauerhaft übernehmen können (Transferierbarkeit).

Das Projekt führt zu einer strukturellen Veränderung im jeweiligen System (z.B. Gesundheits-, Bildungs-, Wirtschaftssystem). Im Projektkonzept sind Überlegungen angestellt, wie die Weiterfinanzierung der Projektaktivitäten nach Projektende sichergestellt werden kann.

Indikatoren

  • Im Projektkonzept sind Überlegungen angestellt, wie die Maßnahmen und Aktivitäten auch nach Projektende weiter geführt werden.
  • Im Projektkonzept sind Überlegungen angestellt, wie die Weiterfinanzierung der Projektaktivitäten nach Projektende sichergestellt werden kann.
  • Im Projektkonzept sind Überlegungen angestellt, wie Wirkungen und Ergebnisse auch nach Projektende fortbestehen.
  • Im Projektkonzept sind konkrete Überlegungen angestellt, wie andere Zielgruppen, Settings die Aktivitäten dauerhaft übernehmen können (Transferierbarkeit).
  • Die Maßnahmen zur Sicherung der Nachhaltigkeit werden im gesamten Projektverlauf reflektiert und evaluiert. Detaillierte Informationen zur Planung und Evaluation von Nachhaltigkeit sowie eine Checkliste können im Glossar nachgelesen werden.