Projekte in der Kinder- und Jugendhilfe

Inhaltsverzeichnis

Die Systeme Gesundheit, gesundheitsbezogene Prävention und Gesundheitsförderung sowie Kinder- und
Jugendhilfe nähern sich erfreulicherweise weiter an. Der Fonds Gesundes Österreich hat den Dachverband Österreichischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen (DÖJ)  in einem ersten Schritt eingeladen, Gesundheitsförderung auch an jene Menschen heranzutragen, bei denen besondere Dringlichkeit gegeben und hohe Nachhaltigkeit zu erwarten ist. Die Kinder- und Jugendhilfe hat guten Kontakt zu Familien, die armutsgefährdet, sozial ausgegrenzt und in vielerlei Hinsicht bei der Erziehung der Kinder überfordert sind, also zu einer sehr wichtigen Zielgruppe der Gesundheitsförderung. Und sie hat die Aufgabe, die Entfaltung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in ihren Familien zu fördern.

Zu diesen Familien Kontakt herzustellen und gemeinsam mit ihnen zu einer konstruktiven positiven Entwicklung in Bezug auf das Kindeswohl zu kommen, ist Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe. Ist dieser Zugang durch die Mitarbeiter/innen der Kinder- und Jugendhilfe einmal hergestellt, dann kann er auch zur speziellen Förderung der Gesundheit dieser Menschen genutzt werden und entsprechende Anregungen und Angebote können ihnen zielorientiert unterbreitet werden.

Durch diese Kooperation soll die Hürde für mehrere hundert private Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen in Österreich herabgesetzt werden, gesundheitsrelevante Schwerpunkte zu setzen und entsprechende Projekte durchzuführen. Projekte, zu deren Realisierung der Fonds Gesundes Österreich finanzielle und inhaltliche Beiträge leisten wird. So kann sich die Begegnung von Gesundheitsförderung mit der Kinder- und Jugendhilfe als Ort hoher Synergien erweisen.

Setting

private Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen

Projektart

Umsetzungsprojekte der Gesundheitsförderung und umfassenden Primärprävention

Untergrenze für Einreichung

ab € 10.000,-  eingereichte Gesamtprojektkosten

Förderhöhe

in der Regel 1/3 bis 50 % der anerkannten Gesamtprojektkosten

Förderantrag stellen

Informationen zum Ablauf von der Antragseinreichung bis zur Abrechnung finden Sie hier.

Prioritäre Zielsetzungen

Unter Beachtung von Kriterien wie Synergieeffekten zwischen Gesundheitsförderung und Kinder- und Jugendhilfe, Betroffenheit der Kinder- und Jugendhilfe vom Thema, Partizipationsmöglichkeit der Teilnehmenden, Nachhaltigkeit usw. werden vier Zielsetzungen prioritär vorgeschlagen, die als Schwerpunkte künftiger Gesundheitsförderungsprojekte dienen sollten und die vorrangig für die Einreichung von Projekten von privaten Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen berücksichtigt werden sollen.

Schwerpunktziel 1: Den gesundheitsgefährdenden Auswirkungen von Gewalterfahrung und Gewaltausübung vorbeugen

Gewalterfahrung und/oder Gewaltausübung von Kindern und Jugendlichen sind häufige Auslöser für das Tätig-Werden der Kinder und Jugendhilfe (KJH). Sowohl die Klient/innen als auch die Mitarbeiter/innen der KJH sind von den gesundheitlichen Folgen gewalttätigen Verhaltens immer wieder betroffen. Präventive Maßnahmen vor Gewalt sind sowohl im stationären aber auch in mobilen und ambulanten privaten KJH-Einrichtungen gleichzeitig gesundheitsfördernde Maßnahmen, und zwar sowohl auf der Mitarbeiter/innen als auch auf der Klient/innen-Ebene.

Dies nicht nur, indem weitere Gewalterfahrungen vermieden werden können, sondern auch, indem Ängste, Stress und soziale Ausgrenzungen abgebaut werden, die weitreichende gesundheitsgefährdende Folgen haben. Familiäre Gewalt wird – wie mehrere aktuelle Studien aufzeigen – in Österreich nach wie vor stark praktiziert und ebenso stark tabuisiert. Gerade im Umfeld der von der Kinder- und Jugendhilfe betreuten Familien sind bewusstseinsbildende Maßnahmen und Aktivitäten, die familiäre Gewalt thematisieren und das Selbstbewusstsein und Wehrfähigkeit der Betroffenen (meist Kinder und Frauen) stärken, von hoher gesundheitsfördernder Relevanz.

Schwerpunktziel 2: Die soziale Vernetzung bzw. Integration fördern.

Die Zielgruppe der KJH ist häufig gekennzeichnet durch soziale Isolation, bedingt durch sozioökonomische und biographische Faktoren auf der einen Seite und durch gesellschaftlich / strukturelle Bedingungen auf der anderen Seite. Soziale Integration hat sich aber inzwischen als hoch signifikante Gesundheitsdeterminante herausgestellt. Der stationäre Jugendhilfe-Bereich ist nach wie vor durch eine Art Ghettoisierung gekennzeichnet, der durch entsprechende Vernetzungs-Projekte entgegengewirkt werden kann. Der mobile und ambulante Kinder- und Jugendhilfe-Bereich, in dem ca. 40.000 Klient/innen und deren Familien betreut werden, ist durch eine sehr geringe Vernetzung im Nachbarschaftsfeld, auf kommunaler Ebene und im Arbeitsbereich gekennzeichnet. Durch gezielte Analyse der jeweiligen sozialen Vernetzung und eine Reihe entsprechender Maßnahmen kann diesen Defiziten entgegengewirkt werden, wie die beiden FGÖ-Projekte „trotz allem vernetzt“ und „trotz allem gesund“ zeigten.

Schwerpunktziel 3: Kompetenzen zur Bewältigung der alltäglichen Lebensführung entwickeln und fördern.

Die Klient/innen der Kinder- und Jugendhilfe weisen in zunehmendem Ausmaß große Defizite in der Fähigkeit auf, alltägliche Lebensanforderungen wie Kochen und Haushaltsführung, Umgang mit Geld, Erziehungsfähigkeit, Lesen usw. zu bewältigen. Diese Kompetenzen stellen die Basis für die Entwicklung eines gesunden persönlichen und familiären Klimas dar. Im stationären Kinder- und Jugendhilfe-Bereich gehört es zwar zum angestammten Auftrag, diese Alltags-Kompetenzen bei den Kindern und Jugendlichen zu entwickeln, vielfach erfolgt aber mit dem 18. Lebensjahr ein Ende der Erziehungshilfe. Laut Gesetz ist zwar eine Verlängerung bis zum 21. Lebensjahr möglich, diese Verlängerung wird aber nur in Ausnahmefällen gewährt. Das bedeutet dann für die Jugendlichen das Ende der im Kinder- und Jugendhilfe – Setting angebotenen Lernmöglichkeiten.

In der Übergangsphase zum Erwachsenenalter werden diese Alltagskompetenzen am meisten gefordert, genau da kehren viele der stationär betreuten Jugendlichen wieder in die „schwierigen“ Herkunftsfamilien zurück, wo sie diesbezüglich zumindest nicht gefördert werden. Projekte, aufbauend auf dem langjährigen Kontakt zu den nun jungen Erwachsenen mit dem Ziel, Kompetenzen der alltäglichen Lebensführung zu fördern, können eine starke gesundheitsfördernde Relevanz entwickeln.

Die mobilen Hilfen beziehen sich ausgehend vom Kinder- und Jugendhilfe-Auftrag schwerpunktmäßig auf die Förderung der Erziehungskompetenzen der Eltern bzw. auf den Schutz der Kinder bei Fehlen derselben. Zu diesem Auftrag gehört in der Regel zwar auch, Bildungsmaßnahmen – auch in Bezug auf die gesundheitliche Entwicklung – zu initiieren. Bei den knapp bemessenen Ressourcen bleibt aber nicht Zeit, Bildungsmaßnahmen im Sinne der Alltagsbewältigung der betroffenen Familien durchzuführen, selbst wenn sie für die gesundheitliche Entwicklung von großer Bedeutung wären. Im Rahmen von Pilotprojekten sollen daher Methoden und Beispiele entwickelt werden, die aufzeigen, wie in diesen Konstellationen nachhaltig die Förderung von Alltagskompetenzen aller Beteiligten erfolgreich umgesetzt werden kann. Dabei ist eine Kombination mit anderen Gesundheitsthemen wie z.B. Ernährung, soziale Vernetzung, Bewegung etc. erstrebenswert.

Schwerpunktziel 4: Erfahrung der Selbstwirksamkeit und der Möglichkeit einer aktiven Lebensgestaltung entwickeln und fördern.

Diese Erfahrungen sind Grundlage für richtiges Gesundheitsverhalten und beinhalten insbesondere auch Einstellungen in Bezug auf Ernährung, Bewegung, psychische Gesundheit, auf den Umgang mit neuen Medien und andere gesundheitsbezogene Inhalte. Die Gesundheitskompetenz hängt einerseits vom Bildungs- und Informationsstand der Betroffenen in Bezug auf die Gesundheitsdeterminanten ab, andererseits aber auch von der Annahme bzw. Erfahrung, selbst wirksam werden zu können, eigene Kompetenzen zu haben und nicht dem Schicksal ausgeliefert zu sein.

Erfahrungen der Selbstwirksamkeit, insbesondere im Bereich der eigenen Lebensführung und im Bereich des
„gesunden“ Verhaltens zählen daher zu wichtigen Gesundheitsdeterminanten, insbesondere in den Familien, die sich vom Schicksal benachteiligt erleben und die viele Entbehrungen erleiden mussten und müssen – wie eben die Jugendhilfe-Klient/innen. Förderungsprojekte zur Erfahrung der Selbstwirksamkeit, zur Stärkung des Selbstwertgefühls und zur Erhöhung der Gesundheitskompetenz sollen partizipativ in allen Bereichen der Jugendhilfe mit ihren Klient/innen entwickelt werden.

Weiterführende Informationen

Zur Unterstützung bei der Entwicklung von Gesundheitsförderungsprojekten in den privaten Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen dienen folgende Angebote des DÖJ (Dachverband Österreichischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen):

  • Die Homepage DÖJ informiert über laufende Förderprojekte in der Kinder- und Jugendhilfe
  • Bei Veranstaltungen und in Aussendungen des DÖJ wird Gesundheitsförderung laufend thematisiert
  • Jugendhilfeeinrichtungen mit dem Wunsch oder der Idee, ein Gesundheitsförderungsprojekt einzureichen, erhalten eine individuelle Einstiegsberatung durch den DÖJ

Weitere Informationen sind beim FGÖ erhältlich:

Ansprechperson

Mag.a Rita Kichler

Gesundheitsreferentin für die Themenbereiche Kinder und Jugendliche, Schulische Gesundheitsförderung, Ernährung / Lebensstil

+43 1 895 04 00-713
rita.kichler@goeg.at